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Vielleicht der letzte Vollrausch?

"World Wrestling Entertainment (WWE) veröffentlichte jetzt ein Update auf wwe.com. Dabei ging es um Steffen G. aus Deutschland. Der 19 Jahre alte Mann hatte einen Obdachlosen ermordet und dem WWE-Videogame 'WWE SmackDown vs. RAW 2006' die Schuld daran gegeben. Allerdings war bereits bekannt, dass Steffen G. mit Alkoholproblemen zu kämpfen hatte und die Tat in einem stark alkoholisierten Zustand ausführte. Ein Gericht in Cottbus sprach WWE bzw. das Videogame nun von jeglicher Schuld frei und erkannte den letzten Versuch des Steffen G., einer höheren Strafe zu entgehen. WWE zeigte sich mit dieser Gerichtsentscheidung sehr zufrieden."
(Quelle: BSWW.de)

Soll mir diese Meldung etwa IRGENDWAS sagen?

Ein Tagesbeginn nach Plan: Hochmotiviert wie ich derzeit bin, erwachte ich 4 Uhr und stellte fest, daß ich mich 19 Uhr nicht mit dem Vorhaben, am Laptop Wrestling gucken zu wollen, hätte hinlegen sollen. Gemütlich blieb ich noch liegen, sah aus dem Augenwinkel die für den Vorabend geplante "Survivor Series" aus dem Jahre 2001 und stand irgendwann mehr schlecht als recht auf. Vom Laptop an den Rechner, mein Leben bekam langsam einen Sinn. Zufällig stieß ich auf ein MMA-Forum, das einige nette Sachen zum freien Herunterladen bereitstellt. Was heißt das im Klartext für mich? - Ich muß den Rechner weiter beanstrengen und habe weniger Zeit für mein Leben, da ich neben dem gesamten Wrestling-Kram nun auch noch jede Menge MMA gucken muß. Sollte mich das langsam bedenklich stimmen?

Während ich darüber nachdachte, stand ich unter der Dusche, futterte zwei Stück Toast und setzte mich in die Straßenbahn, die mich zum Bahnhof brachte. Kurz nach dem Gleiswechsel erschien Drops aus dem Nichts. Das erste Gesprächshema des Tages führte uns zu unserer unglaublichen Arschheizungssitz-Liebe. Es gibt nichts schöneres, als in kalten Zeiten einen gewärmten Popo zu haben, wenn man in einer unbequemen Straßenbahn sitzt. In Kürze befanden sich Claudia und unser immerverpeiltes Nörgli neben uns. Nach einer halben Drehung um die Achse wurde mit Sebastian, Franzi, Hendrik und der anderen Claudia zauberhaft auch noch der Kompetenzteil der Klasse entdeckt und die Fahrt konnte beginnen.

Eine Viertelstunde später landeten wir beim Messegelände. Jeder munkelte, wo es lang ging. Genau wußte es keiner. Statt den richtigen, kurzen und bequemen Weg zu nehmen, entschieden wir uns für den langen, nervigen und zeitraubenden. Der führte uns vorbei an McDonald's, unendlichen Weiten, nie-endenden Parkplätzen und weiterem. Als es immer auswegloser schien, trafen wir einen Straßenputschmenschen und fragten nach dem Weg. "Quelle? Ja, gucken se ma. Da steht's ganz groß." Zwei Augen sind eben besser als... sechzehn.

Wir trabten zum erstbesten Eingang und waren natürlich falsch. Der Treffpunkt war am völlig anderen Ende der nicht unbedingt kleinen Örtlichkeit. So machte das früh morgens Spaß. Gar nicht erst davon zu reden, daß wir inzwischen viel zu spät waren und den Klassenbetrieb ein klein wenig aufhielten. Nach einer schier endlosen Anstrengung an Kraft und Zeit erreichten wir mit 20 Minuten Verspätung den Rest der Klasse, der eisern auf unsere Ankunft gewartet hatte.

Die Quelle-Führung war, äh, toll. Hier ein paar Pakete, da ein paar - mal wieder - überlange Gänge und zum kröhnenden Abschluß genervte Mitarbeiter, deren ganzer Tagesablauf darin besteht, Fließbänder zu beladen und/oder Kartons zu packen. Tja, hätten sie sich mehr gewaschen und besser rasiert, wäre es vielleicht was mit einem ansprechenderen Beruf geworden.

Halb 11 war's das. Der Spuk hatte ein Ende, nachdem er nie wirklich interessant wurde, dementsprechend aber auch nicht an Spannung verlieren konnte. Die hochklassigen Menschen der IMEA '06 versammelten sich in einer Art Eingangsbereich und Herr Fahnert kam eine kluge Idee: "Zwei von euch könnten bei mir mitkommen. Ich fahre sowieso zum Bahnhof. Sie müßten dann nur kurz warten." Ich war am Überlegen, kam zu einem Entschluß und nur eine Millisekunde war mir Drops voraus: "Okay, wir warten."

Ein Raucherpäuschen später trabten wir zum Fahnert-Gefährt, das uns per "Ich bin nicht so der Putzmensch" vorgestellt wurde. Dementsprechend sah der Wagen, der zudem bald zwei Jahrzehnte auf dem Buckel hat, aus. Völlig entspannt ging es los, bis uns anderes autofahrendes Volk aus der Klasse bedrängte. Aber Herr Fahnert hatte alles im Griff: "Jaja, wir sind völlig entspannt. Wir cruisen." Drops und meine Wenigkeit fielen gemeinschaftlich vor lachen aus dem Sitz. Eine Ampel stoppte uns, aber kaum daß wieder Grün war, ließen wir das restliche Volk gnadenlos Staub fressen. "60 PS! Da läuft das."

Alsbald erreichten wir das Parkhäuschen und mußten einen Moment warten, da das Ding hoffnungslos überfüllt war. Gut vorausgedacht setzte uns Herr Fahnert ab, bevor er einparkte, und machte das dann gleich so geschickt, daß er selbst nicht mehr rauskam. Beim zweiten Versuch lief's. Im Bahnhof verschwand er schließlich beim ersten McDonald's in seiner Sichtnähe und löste seinen Eisgutschein ein. Drops marschierte zur Sparkasse, Troll zur Volksbank. Arme Schüler müssen natürlich erst Geld abheben, bevor sie sich ebenfalls zu McDonald's setzen und an überteuerten Maxi-Menüs probieren können. Die blöden Gutscheine bestanden mit einer Ausnahme nur aus nervigen Straßen. Somit haben wir Chancen auf Traumhäuser, Autos und anderen Fusel, den wir sowieso niemals gewinnen werden. Aber wir geben nicht auf! Irgendwann klappt es damit doch noch. Ich bin mir sicher.

Ein leicht turbulenter, aber witziger Tag. Und jetzt sollte ich mich an ein paar Wrestling/MMA-Shows setzen, damit ich nicht meinen ganzen Sonnabend daran verplempern muß. Wenn ich mir nur nicht so sicher wäre, ohnehin wieder frühzeitig einzuschlafen...

Wanna be a ninja, too?



- "Somebody call, uhm..."
- "Just say it, just say it..."
- Ich habe kein Auto.
- Ich habe keinen Führerschein.
- Ich bin introvertiert.
- Ich könnte den ganzen Tag damit verbringen, Wrestling zu gucken und darüber zu reden.
- Ich habe seit meiner Geburt Probleme mit Armbanduhren. Nach zwei Wochen sind sie entweder kaputt oder spurlos verschwunden.
- Ich habe riesige Augenbrauen.
- Ich vergesse manchmal Dinge, die mir 10 Sekunden vorher gesagt wurden.
- Ich habe einen grauen Fleck in meinen Haaren, nachdem ich im Sportunterricht ohnmächtig geworden bin.
- Ich mußte schon als 7-Jähriger unsere Fußballturniere auswerten, weil ich der einzige war, der sich für Tabellen und Statistiken jeglicher Art begeisterte.
- Ich habe in den Flur meines Hortes gekotzt.
- Ich liebe Hörspiele und kann mich auch als 19-jähriger noch mit den "Drei ???" und "TKKG" anfreunden.
- Ich laufe in Sekundenschnelle rot an, wenn mir etwas unangenehm ist.
- Mir ist vieles unangenehm.
- Ich hasse Anglizismen.
- Ich kann über fast alles lachen.
- Im Alter von zwei Jahren hatte ich Angst vor dem Weihnachtsmann, unter dessen Kostüm lediglich mein Onkel steckte.
- Im selben Alter brachten mich Züge dazu, fluchtartig und weinend ins Haus zu rennen.
- Ich habe erstklassige Wrestling-Matches mit einem übergroßen Teddybären bestritten, was das Sofa im Wohnzimmer meiner Mutter bis heute nicht verkraftet hat.
- Ich trage nur Tarnhosen.
- Ich mag es, allein zu sein.
- Auf meinem Sofa thronen 5 (fünf!) Kuscheltiere, die alle einen Namen haben.
- Ich liebe Comics.
- Ich habe niemals die Schule geschwänzt und wäre im Traum nicht darauf gekommen, das zu tun.
- Ich kann stundenlang über unwichtige Dinge nachdenken.
- Ich gehe nicht gern unter Leute.
- Ich stehe nicht gern im Mittelpunkt.
- Ich werde vor banalen Dingen wie einem Telefonanruf oder einem Gang zum Frisör nervös.
- Ich hasse Diskotheken.
- Ich könnte stündlich meine Haare waschen. Selbst dann, wenn sie nur einen halben Millimeter lang sind.
- Ich rede nicht gern über Probleme.
- Ich rede allgemein nicht gern.
- Ich mache permanent alles auf den letzten Drücker.
- Ich bin ein Stubenhocker.
- Ich verbringe problemlos den halben Tag im Internet.
- Ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht eine einzige Zigarette geraucht.
- Vor meinem 18. Geburtstag habe ich maximal 5 Bier getrunken, obwohl meinem Vater eine Kneipe gehört.
- Ich korrigiere gern und kann der größte Klugscheißer auf Erden sein.
- Ich bin melancholisch.
- Ich bin pessimistisch und denke erst dann an positive Dinge, wenn mir keine negativen mehr einfallen.
- Ich hasse Weihnachten, Geburtstage und andere Anlässe, an denen man beschenken sollte. Für "meine" Geschenke an Familienangehörige sind in der Regel andere Familienangehörige zuständig.
- Ich schreibe regelmäßig Einträge in dieses LiveJournal.

Wochenrückblick

Donnerstag Abend, wie lange habe ich auf dich gewartet? Das vorzeitige Wochenende, ein entspanntes Ausklingen stressiger Tage... Zeitpunkt, direkt am Schreibtisch einzuschlafen, um erst danach ins Bett zu gehen. Es könnte immer so sein, wirklich. Nebenbei bemerkt läuft mein PC noch, obwohl ich seit mehr als zehn Minuten ICQ geöffnet und ein kurzes Übergangsgespräch mit Drops geführt habe. Irgendwer will mir beweisen, daß es doch noch gute Tage im Leben gibt.

Montag beginnt gut. Die morgendliche Portion Commercial Correspondence wird von 95% der Klasse verschmäht. Die restlichen 5% bestehen aus mir. Blöde Sprüche für die einen, Ironie und Humor für mich. Dümmliche Kommentare am Rande sind lebenswichtig und so macht es selbst Spaß, wenn man nichts als beknackte Geschäftsbriefe im american- und british english-Stil durchgeht. Unterricht mit fiesem Sarkasmus setzt sich eben doch durch. Die folgenden zwei Stunden Französisch bringen für die Pros, in diesem Fall Kai und mich, die erste 1 der Woche mit sich. Bei selbstgeschriebenen Texten mit möglichst vielen Fragestellungen kann nicht viel schief gehen. Ganz nebenbei entstehen die ersten belustigenden Situationen der Woche. Ausgehend von der spannenden Stunde kommt Patricia eine tolle Idee: "Wir könnten natürlich auch eher Schluß machen." Herr Hörig sieht das ein wenig anders: "WAS?! Es sind doch noch 37 Minuten!" Ungezügelt werfe ich ein Zeichen der Deprimierung in den Raum, was den Lehrer über sich hinauswachsen läßt: "Du willst wohl den Raum verlassen. Mit einer Strafarbeit verbunden!" Nach einer kleinlauten Entschuldigung, erhalte ich Unterstützung aus der Bierrunde: "Wenn Steffen geht, gehen wir alle!" Genial! Und er kann mir ja doch nicht böse sein. Der Rest des Tages ist mit meinen absoluten Lieblingsfächern, Büromanagement und dem Lernen des Tastschreibens, welches ich sowieso im Leben nicht mehr verwenden werde, vernachlässigenswert. Unnötiger Rotz bleibt unnötiger Rotz.

Französische Filmtage in Leipzig. Der erste Abschnitt des Dienstags ist gerettet. Eine Stunde Französisch, drei Stunden Film. Wir erscheinen zu früh und stehen mehr als eine halbe Stunde in der Kälte, was zu kaputten Gesprächen verleitet. Herr Hörig schreitet angeheitert zu uns: "Von was redet ihr hier?" Natürlich bin es wieder ich, der am schnellsten reagiert: "Wir, äh, philosophieren über wichtige Themen." Schon bestimmen Dinge wie das Ozonloch, Alkoholausschank an Minderjährige und das unnötige Sterben des Regenwaldes den weiteren Ablauf. Rein in den Film, "La Veuve de Saint-Pierre" - die Witwe von St. Pierre. Übliche Probleme: Ist der Kerl dort drüben dick oder fett? Besprochene Person wird umgelegt und schon ist genug Stoff für einen französischen Film vorhanden. Nach der Todesstrafe geht das Gewarte los. Keine Guillotine da, um den Kopf vom Rumpf zu trennen. Eine verheiratete, nymphomanische Schachtel freundet sich mit dem Mörder, dessen Kollege nach einem Unfall mit dem Kopf auf einen Stein knallt und sich unfreiwillig selbst richtet, an und kann später doch nicht verhindern, daß er umgebracht wird, obwohl er im Film zum großen Superhelden und Dorfliebling mutiert. Ihr Mann stirbt gleich noch mit, das Drama ist besiegelt. Als heimlicher Star des Films erweist sich Kerstin: "Die Qualität ist schlecht. [...] Ist das langweilig. [...] Die Qualität ist ziemlich schlecht. [...] Die Qualität ist wirklich schlecht." Drops tauft sie umgehend auf den Namen "Nörgli" um und besiegelt ihr fortwährendes Schicksal endgültig. Gut so! Traumatisiert kehren wir in die Schule zurück und schreiben einen Test in Sozialkunde. Namensrecht, Ehe, Scheidung - Themen, deren Gültigkeit in der heutigen Zeit wichtiger denn je sind. Ethik wird mit der christlichen Entstehungsgeschichte der übliche, uninteressante Blödsinn. Wenigstens ohne "Gehirn im Tank" und anderen Kuriositäten. Es kann nur bergauf gehen. Ganz nebenher gibt es noch die zweite 1 der Woche und ich komme mir wie ein blöder Streber vor, obwohl sich meine Lernaktivitäten kaum von denen im Gymnasium unterscheiden.

Mittwoch heißt später aufstehen. Der Besuch des MDR-Hauptquartiers beginnt eine Stunde nach Schulbeginn. Frühzeitig finde ich mich beim Bahnhof ein, erblicke im Augenwinkel noch Nörgli und Claudia, begebe mich zu deren Platz... und sie sind weg, verschwunden, galaktisch verpufft. Glücklicherweise findet mich Drops als erstes, lädt mich in ihren Wagen ein und irgendwie tauchen schließlich auch die beiden anderen wieder auf. Nörgli kennt den Weg ansatzweise, leitet uns nicht ganz kompetent, aber doch so, daß wir pünktlich dort sind, wo wir hin sollten. Nach einem kleinen Rundgang erfahren wir, in welchen großartigen Studios "Hier ab Vier" und Konsorten abgedreht werden, wonach sich ein Teil der Klasse bei aufgezeichneten Moderationen zum Depp macht. Am Ende dürfen wir noch allesamt ans Pult, um uns der grenzenlosen Lächerlichkeit hinzugeben. Ich hoffe, früher oder später an das Video davon zu gelangen. Augenweiden wie diese darf man niemandem vorenthalten! Am Ende werden am Eingangsbereich noch ein paar Autogrammkarten eingesteckt, trotz gleichbleibend-fragender Gesichter und Meinungen der Art von "Hab' zwar keine Ahnung, wer das ist, aber irgendwer wird den schon kennen". Spannung nach der Schule: Ich brauche eine verdammte Hose für den verdammten Englisch-Vortrag. Die ersten Geschäfte verschrecken mich mit abnormalen Preisen von über 60 Euro. Für nichts als eine Hose. Im Gewühl entdecke ich eine für 40 und kaufe sie mir, um zuhause ernüchtert festzustellen, daß das dumme Ding zu klein für meine muskulösen Beine ist. Kurz das Memo geschrieben, weiter am Vortrag gearbeitet und zurück zum Bahnhof. Der Umtauschprozeß mit Suchen einer neuen Hose dauert zwei Stunden und kostet mich noch mehr Geld als vorher. Zum Weinen. Dafür habe ich nun eine tolle Hose, die ich nie wieder ausziehen werde, um sie ihrem Preis gerecht werden zu lassen.

Heute der große Showdown. Patricia beginnt mit einer Präsentation über Flamenco und Sevilla - der typische Vortrag über Stadt und Kultur, der mir aus Prinzip gar nicht gefällt. Es gibt 'ne 2. Ich mache weiter. Ultimate Fighting für das Volk! Ich bemerke selbst die Schnelligkeit meiner Worte, werde aber doch gelobt - "speaking fluently" nennt sich das. Wie es sich für diese Woche gehört, gibt es die dritte 1 und ich bin der Held der Stunde. Martin mit dem letzten Vortrag, Gewalt in den Medien. Seine Sätze überlegt er sich erst, als er vorn steht und kommt mit einer 2 davon, die hart an der Goldmedaille kratzt. Kaum vorstellbar, wenn man bedenkt, daß er am frühen Morgen nicht mal 'nen Plan hatte, was er denn nun genau erzählt. Als wäre das alles nicht schon genug Streß, schreiben wir im zweiten Englischblock einen Vokabeltest. Durch die Präsentation bin ich nur mittelmäßig vorbereitet, habe aber durch puren Zufall genau die richtigen Wörter angeguckt. Am Ende gibt's die Arbeit schon zurück und ich habe die vierte 1 der Woche kassiert. Irgendwie habe ich's eben doch drauf.

Und jetzt ist alles geschafft, ich hab' meine Ruhe und kann entspannt ins Wochenende gehen.

Kings. Reign. Supreme.

Was macht der moderne Mensch von heute, wenn er ein paar Tage auf Achse war und endlich wieder zuhause ist? – Er besinnt sich seiner LiveJournal-Wurzeln und erfreut die potentiellen drei Mitleser an den unsinnigen Erlebnissen und zusammenhangslosen Rückblicken. Mehr oder weniger eben. Zugfahrten haben den Vorteil, daß sie bei entsprechender Länge genug Zeit bereitstellen, um so was hinter sich zu bringen. Ich muß nicht anmerken, daß ich mich ständig frage, wie ich längere Fahrten ohne Laptop ausgehalten habe. Was habe ich nur für ein elendes Leben geführt?

Doch der Reihe nach. Wie neuerdings fast immer kommen Entschlüsse, mal wieder quer durch Germania zu reisen, kurzfristig zustande. Nun steht der Plan vom Treffen mit Konsi schon knappe… fünf Jahre. Nostalgie ist was Feines und eine halbe Dekade eine lange Zeit, in der sich vieles verändern kann. Die wichtigen Sachen bleiben natürlich bestehen. Eine Vorliebe für Wrestling zum Beispiel. Bestenfalls Fantasy Wrestling – eine Subart des Rollenspiels, deren Großartigkeit nur die Leute kennen lernen werden, die mehr Zeit und Geduld mitbringen, als dem Menschen zur Verfügung stehen. Ich weiß nicht mehr, wie viele Stunden meines Lebens mich dieses Hobby gekostet hat. Eigentlich will ich es auch gar nicht wissen. Irgendwas war immer. Egal ob Roleplay, Match, Hype durch die Kommentatoren, Storylines – es vergingen Stunden über Stunden und Nächte über Nächte, deren Anzahl nicht mehr im Bereich des Zählbaren liegen. Die Sammlung der gemeinsam geführten FW-Projekte liegt mittlerweile im zweistelligen Bereich. Nach einigen ruhigen Monaten sitzen wir mittlerweile am nächsten Versuch und probieren es mit TNA Wrestling. Bones und Konsi als offizielle Chefetage, ich als hin-und-wieder-Mitchef resp. freiem Mitarbeiter. Muß über längere Zeit klappen. Wird es auch.

Jedenfalls erlangten wir Sonntag Abend das gemeinsame Wissen, unabhängig voneinander ab Dienstag Nachmittag frei zu haben. Noch besser: Ich hatte sowieso im späteren Verlauf der Woche geplant, nach Hessen zu fahren. Und oh Wunder! Fulda liegt auf dem direkten Weg von Leipzig nach Wiesbaden. Was will man mehr? Ganz reibungslos sollte es dann aber nicht klappen. Bisher verging kein Jahr, das mich nicht mit einer fiesen Woche der Erkältung quälte. Passenderweise traf es mich parallel mit Marco, was vermutlich nächste Woche von mir aufgeholt wird. Seit Dienstag ist das einfache Sprechen eine Qual. Je später der Tag, desto mehr Worte bleiben im Hals hängen. Mittwoch ging dann gar nichts. In mehrfacher Hinsicht.

Dienstag paßte (noch) alles. Am späten Nachmittag erreichte ich Fulda und stand vor dem ersten Problem. Der Bahnsteig leerte sich, kein Konsi weit und breit. Nach wenigen Minuten des Wartens spurtete er aus dem Tunnel. Statt oben auf mich zu warten, machte er es unten, da er nicht ahnen konnte, ob ich von ihm aus gesehen links oder rechts auftauche. Ergab Sinn. War dann aber auch egal. Wir düsten zu seiner Freundin, luden ein paar DVDs ein und fuhren erst einmal was trinken. Wie der Schuppen hieß, habe ich bereits vergessen. In Erinnerung blieb er mir auch nur durch die umso bessere pornöse Musik, die die ganze Zeit im Hintergrund lief. Zwei Bier später ging es dann in sein Villa-ähnliches Wohngebäude. Zum gemütlichen Ausklingen des angebrochenen Abends bewunderten wir auf meinen persönlichen Wunsch hin "Tournament Of Death V" von Combat Zone Wrestling. Ich schäme mich noch heute, daß er es vor mir gesehen hat. Ob es an dem mir zum ersten Mal nicht passenden Ambiente oder dem Booking lag, kann ich nicht sagen, aber das Wahre war das Turnier im Vergleich zu den vier vorherigen nicht. Mit Nick Gage hatte es den richtigen Sieger, der Rest war mäßig. Kein einziges Singles Match, vier Leute im Finale. Brrr. Fand ich dieses Jahr bereits bei Mid South schrecklich. Mehr als drei Worker gehören ganz einfach nicht in ein Death Match-Turnierfinale. Die letzten Minuten verbrachten wir mit "Aniversario Delta". Dragon Dragon, Darkness Crabtree und die Colony überzeugen einfach jeden – selbst den ROH-Geschädigten Konsi, der "durchschnittliches" Wrestling mit absurden Gimmicks schon gar nicht mehr kennt. Das Delirious/Moxley-Match überlebten wir beide nicht mehr und somit war Tag 1 vorbei.

Mittwoch machte Spaß. Und zwar so richtig. Meine Stimme versagte bereits zum frühen Morgen und ließ nur bröckelige Wortfetzen zu, die mich den restlichen Tag über begleiteten. Nach der Wachwerd-Phase inkl. Hygiene-Prozeß zeigte die Uhr bereits angenehme 13 Uhr an. Wie es sich für uns gehörte, stand ausgerechnet Donnerstag die vierte Show unserer FW-Liga an und bedurfte noch so einiger Arbeiten. So wurden hin und wieder die ersten Matches und Roleplays vorgeschrieben, um den Folgetag nicht ganz so stressig zu machen. Der Erfolg bei der Sache war mäßig. Ina tauchte nachmittags auf, versorgte uns mit Essen und blieb gleich da. Die Frau, die nur zum Essen machen aufkreuzt und dann wieder verschwindet, muß erst noch erfunden werden. Leider. Irgendwann bemerkte sie unsere abwechslungsreiche Form der Fernsehunterhaltung: "Habt Ihr heute eigentlich auch schon was Vernünftiges geguckt?" Blasphemie, Blasphemie! Als gäbe es etwas Besseres als nichts als Wrestling zu gucken! Da nicht jeder ausschlafen konnte, verabschiedete sie sich gegen 21 Uhr und überließ uns den netten Teil des Abends. Der bestand nach einem Einkauf aus viel Alkohol und… na? Wrestling, natürlich. Weder Konsi noch ich hatten die letzten beiden Ausgaben von "ECW on SciFi" gesehen, was direkt nachgeholt wurde. Wir hatten uns auf den Gewinner der baldigen Elimination Chamber zu einigen und landeten beim stark gepushten Lashley. Den will ich mir als Champion gar nicht vorstellen, aber beim aktuellen Geschehen ist alles möglich. Dummerweise auch so was. "Exposed! Pro Wrestling's Greatest Secrets" war der nächste Teil des Abends, den Konsi nach einer halben Stunde ausmachen mußte: "Sonst kann ich nie wieder Wrestling gucken!" Damit verpaßte er zwar die großartige Stunt-Granny, war aber über alle Geheimnisse aufgeklärt. Ein wenig eben. Die Wodka-Flasche wurde zwischendurch leer, mein Magen nicht. Wir machten mit "WWE No Mercy" aus diesem Jahr weiter. Ich erinnere mich an alles bis zum MVP-Auftritt, danach war es zu spät…

ABSTURZ~! Es ging gar nichts mehr. Angeblich schaffte ich es sogar noch, Kenntnis von meinem Zustand zu nehmen. Ich bat um einen Eimer, den ich nach kurzer Zeit gereicht bekam. Meine geistige Umnachtung wollte mich dennoch auf den Weg zum Klo führen, was durch den Eimer selbstverständlich bitter nötig war. Konsi wußte elegant Weiteres zu berichten: "Du wolltest dich gerade auf den Weg machen, da hast du die Gläser entdeckt und meintest 'Die trinken wir noch schnell'. Ich wollte dich eigentlich aufhalten, aber da ich auch trinken wollte, habe ich zugestimmt. Danach bist du sofort los…" Als wäre der Weg zum Bad nicht schon unsinnig genug, nahm ich den mit Wasser gefüllten Eimer gleich mit. Kann schon mal passieren, wirkte sich aber mehr als fatal auf den weiteren Verlauf aus. Am Ziel angekommen, warf ich die am Tag zu mir genommene Nahrung in den Eimer, den ich mehr oder weniger gut auf der Schüssel platziert hatte. Die Aktion war vorbei und selbstverständlich flog mir der Eimer, wie auch immer, zu Boden und machte das Bad umgehend putzwürdig. Erneut die Erinnerung von Kollege Konsi: "Ich hatte mich schon gewundert, was du so lange machst. Dann bin ich hingegangen und du warst dabei, das Bad sauber zu machen." Mit Klopapier wohlgemerkt.

Ich erwachte Donnerstag und hatte keinen Blassen, wie zur Hölle ich ins Bett gekommen bin. Geschweige denn wie ich es schaffte, mich noch zielsicher von Hemd und Hose zu trennen. "Ich habe dich hochgetragen und der Rest ging schnell. Dann war ich kurz bei Ina, die gerade aufstehen mußte, wollte noch nach dir gucken, aber da warst du schon eingeschlafen." Der positive Nebeneffekt: Ich konnte wieder reden und hatte eine kaum gefüllte Nase. Blöderweise nur für die ersten 20 Minuten vom Tag. Unter der Dusche holte mich das Übelkeitsgefühl ein und ließ mich spontan unnötig lange Zeit im Bad verbringen. Viel sollte dann nicht mehr passieren. In nervenaufreibenden Stunden und zwei laufenden Laptops sowie einem PC brannten wir uns gegenseitig den notwendigen Wrestling-Kram, den der eine hatte und der andere brauchte. Endlich konnte ich mich über "Tag Wars '06" von ROH freuen und erschlauchte mir nebenbei "Buffalo Stampede" sowie "Bound For Glory '05" von TNA. Mein Laptop hatte derweil damit zu tun, 14 "ECW on SciFi"-Shows zu brennen. Was sonst noch sponsorhaft aus meinem Archiv kopiert und gebrannt wurde, weiß nur das Archiv selbst.

Erstaunlicherweise war ich nicht der Einzige, dem durch den Absturz einiges "entglitt". Auch bei Konsi war dies der Fall. Besonders was Gegenstände anging, die permanent nicht in seinen Händen bleiben wollten. Zeitgleich zum Aufräumen und Putzen der Kellergegend warf er mit Schmackes eine Bierflasche zu Boden, Donnerstag Mittag erwischte es eine Pfefferdose. Am Abend schließlich noch ein paar DVDs, die ihren Weg ungewollt zum Boden fanden. Großartig. Gemächlich peilten wir an, den Kram zur FW-Show gegen 20 Uhr fertig zu haben. Wie üblich hatten wir da noch nicht einmal ansatzweise alles geschrieben, was wir schreiben wollten. Der Prozeß der Fertigstellung von allem Wesentlichen verschob sich großzügig auf… 2 Uhr. Man mußte eben Prioritäten setzen.

Gesundheitlich und nervlich komplett am Ende wurde der Freitag noch entspannter angegangen. Zuletzt begutachteten wir die "Strictly CZW"-Show und ich staunte nicht schlecht, daß die Leistungen in der Combat Zone bei dieser Veranstaltung nicht halb so schlecht waren wie gedacht. Irgendwann Mittag fuhr ich weiter nach Wiesbaden und kürte den Frankfurter Bahnhof zur größten Katastrophe auf seinem Gebiet. In Kassel mögen nur die endlosen Baustellen schlimm wie sonst nichts sein, in Frankfurt ist es auch der komplette Rest. Die S-Bahn hätte dank des Schilderwaldes nicht zu verfehlen sein dürfen – und trotzdem kam ich am Ende wieder dort raus, wo ich in die unterirdischen Gänge eingestiegen bin. Kurios. Wer auch immer auf der Seite der Bahn zehn Minuten für den Weg zwischen den normalen Gleisen und dem S-Bahn-Untergrund prognostiziert hat, muß das gleiche Problem gehabt haben wie ich. Normalerweise ist der Spaß nämlich in 60 Sekunden gefunden. Beim zweiten Anlauf wußte ich dann endlich, wo ich hin mußte und hatte nicht einmal Zeit eingebüßt.

Kurzgefaßt: Solider Baby-Besuch. Höchstwahrscheinlich würden mir einige Anekdoten einfallen, wenn die Zeit in Fulda nicht schon kaputt genug gewesen wäre. Mir sollte es hier natürlich nur Recht sein, daß die Hälfte der beiden Tage aus purem Gegammel bestand. Lehrreich erwiesen sich die Erkenntnisse, daß die Leute in Wiesbaden auch nur Probleme haben und ich mich entspannt zurücklehnen kann. Ohne Probleme, ohne Sorgen – mit meinem unspektakulären, bequemen und gemütlichen Leben.

Die Zugfahrt neigt sich eben dem Ende zu und da dieser Eintrag unerwartet lang ausgefallen ist, werde ich es langsam dabei belassen. Sollte mir später einfallen, die Hälfte vergessen zu haben, wird der Kram die Tage nachgereicht.

Danke für die Aufmerksamkeit. ;)

The bird that never dies

Erkenntnis, II.

Du hast Recht. Das ist sinnlos.

Wrestling gone wrong

Was toppt den Necro Butcher im Chipmunk-Kostüm?

- Colt Cabana als Fee:

Das geht ab wie Apollo

Große Freude am Briefkasten: Die Debut Tour von WORLD-1 ist da! Drei DVDs zu einem Preis von 15 Euro. Das Leben meint es gut mit mir. Als persönliche Lehrstunde sorgten Tag 1 und 2 bereits für allerlei interessante Erfahrungen:

- storyarmes Wrestling im Tour-Format > Sports Entertainment
- die Christopher Street Connection sorgt auf tuntige Art und Weise für großes Amusement
- Matt Striker ist zu guten Matches fähig und läßt sich geistesgegenwärtig von Low-Ki zu Brei treten
- Yoshihito Sasaki hat wesentlich mehr drauf als seine EWR-Stats über ihn aussagen
- Homicide kann nach einer Niederlage auch mit nicht ZU angepißtem Blick abtreten
- Credible sellt einen kongenialen Angstkomplex vor Ki
- Ki's erstes Theme ist tausend Mal besser als sein jetziges

Und Tag 3 steht noch bevor! Corino & Lynn vs. Walters & Spanky, Homicide vs. Punk, Ki vs. Credible. Außerdem in der Warteschleife:

- CHIKARA Young Lion's Cup - Tag 3
- CHIKARA The Crushing Weight Of Mainstream Ignorance
- CZW Expect The Unexpected
- ROH Death Before Dishonor IV
- ROH Road To The Title
- WCW Hog Wild '96

...nicht zu vergessen die aktuellen Episoden von TNA Impact und ECW on SciFi. - Schenkt mir jemand 'nen Tag?

Derweil im Klassenbetrieb:

Allgemeine Personenunkenntnis. Erheitert über den plötzlichen Aufsprung und Abgang Claudias nach der Englisch-Stunde steht das erste Thema auf dem Nachhauseweg an: "Sie muß jetzt schnell zum Bahnhof, sonst verpaßt sie ihren Zug. Sie ist doch immer so schnell weg. Hast du das noch nie bemerkt?" Abgesehen davon, diese Frage früher oder später zur Rhetorik-Kutsche des Jahrhunderts zu erklären, habe ich das natürlich nicht: "Sie sagt ja auch kaum was. Wie soll ich das bemerken?" Im Treppenhaus stößt Regina zur Unterhaltung und guckt nach der Themenaufklärung durch Drops genauso entgeistert. "Claudia?" Nun bin ich es mit der Erklärbär-Funktion: "Die Dame, die neben ihr sitzt. Die, die keiner kennt." Schon herrscht mit einem ernüchternden "Ach, die!" Klarheit. Doch nicht nur das: "Die Blonde auf meiner Seite sagt aber auch nicht viel." Denke noch einer, nur ich hätte kein Interesse an meinen Mitmenschen.

Vier Stunden EGL, unendliche Qual. Christine sieht sich mit einer von Jessica an ihren Stuhl gebundenen Denise auseinandergesetzt und verscherzt es sich dann auch noch mit ersterer. Gegen Ende der Stunde will sie das Geschehene mit der üblichen Masche wieder gutmachen: ungesunde Nahrung mit entschuldigender Widmung. Doch so einfach ist das nicht! Jessica wendet sich ab und erwidert es mit einer gescheiten Drehung von ihr weg. Ich habe dafür nur belustigendes Verständnis: "Du bist ja wirklich eiskalt" und ernte den mir zustehenden Sturm: "Was ist denn mit dir los? Seit wann bist du so weich?" Auch während der Stunde gibt es nichts als Freundlichkeiten. "Du als meine Mama weißt doch, was ich kann." Blick in meine Richtung. "Ja, rumsitzen und blöde Kommentare von dir geben!"

Aldi-Besuch mit Drops. Käse, Toast und Cola, die übliche Tagesration. Auf dem Weg zur Kasse drängelt sich eine ältere Dame in die mir zustehende Position und zeigt mir meine eigene Unfähigkeit mehr als nur deutlich auf. Bei der nächsten tattrigen Greisin bin ich vorsichtiger und markiere mein Revier mit deutlich entschlossener Miene. Beim Einpacken entsteht die nächste Problematik. Die auseinandergehenden Bendel wollen nicht so richtig. Drops weiß die Antwort: "Du Depp, dann mach' doch Knoten rein" und nimmt diese Operation lieber gleich selbst in die Hand. "Nichts kannst du." Doch, zustimmen. "Für sowas brauche ich 'ne Frau im Haus." Dropsisches Kopfschütteln. "Nicht nur eine!"